Archiv der Kategorie 'Buch des Monats'

Buch des Monats Juli: Oskar Maria Graf – „Wir sind Gefangene“

Heute wäre der Schriftsteller Oskar Maria Graf 123 Jahre alt geworden, deshalb präsentieren wir seinen autobiographischen Roman „Wir sind Gefangene“ als Buch des Monats. Oskar Maria Graf verstand sein Schreiben stets als politische Handlung, schrieb früh gegen den Nationalsozialismus an, setzte sich im amerikanischen Exil für den antifaschistischen Kampf ein und beobachte ab 1945 kritisch die politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik. Dies ließ ihn auch seine Rückkehr nach Deutschland überdenken: „Hierbleiben? Auf keinen Fall. Ich könnte hier nicht atmen, wo die Mehrheit so satt und selbstzufrieden dahinlebt. Die Situation hier erinnert mich geradezu unheimlich an die Jahre vor 1933!“ (1958, im Gespräch mit seinem Lektor Hans Dollinger) Seinen literarischen Durchbruch hatte er 1927 mit „Wir sind Gefangene“, der Schilderung seiner Kindheit und Jugend bis zu seinen Erlebnissen in der Revolution in München 1918/19. Rückblickend schreibt er über den Erfolg seines Buches: „Jetzt auf einmal fing ich an, gründlich über mich und meine Stellung in der Literatur nachzudenken und landete stets bei der bedrängenden Frage: “ Für was und für wen schreibt man? Ist der Schriftsteller nur da, um höchste Sprachmeisterschaft zu erreichen, um mit subtilster Kenntnis der Psychologie irgendwelche Fälle des wirklichen Lebens verständlich zu machen und seine Leserschaft durch die Kunst seines Erzählertums zu faszinieren, oder besteht seine Aufgabe nicht vielmehr darin, mit seinen Schreiben das Unrecht auf der Welt, wo immer es sich auch zeigt, zu bekämpfen, die Menschen für soziale und moralische Einsichten empfänglich und für sich selbst verantwortlich zu machen, jeden Krieg als Verbrechen zu brandmarken, und auf Gefahr hin, ein Leben lang verkannt und verdächtigt zu werden, stets einer Gesellschaftsordnung das Wort zu reden, in welcher gleiches Recht für jeden gilt und die Freiwilligkeit zur Einordnung in das Ganze schließlich zur sittlichen Regel wird?“ Von da ab wurde mir klar, dass ich nur noch ein Schriftsteller im letzteren Sinn, also zeitlebens ein sogenannter „engagierter“ Schriftsteller sein konnte, dessen Talent zugleich eine unabdingbare menschliche und soziale Verpflichtung war.“ (Oskar Maria Graf, Vorwort zur Neuauflage des Romans, 1965)

Zu Finden ist das Buch unter der Signaturen „bel-G 2″ (linke Belletristik) bei uns in der Bibliothek_­A

Buch des Monats April: „Meine 7 Väter -Als Partisan gegen Hitler und Mussolini“

Am Dienstag, 28.3.2017 kommt Adelmo Cervi ( Reggio Emilia, Italien) nach Rosenheim und stellt sein Buch „Meine 7 Väter -Als Partisan gegen Hitler und Mussolini“ vor. Deshalb haben wir uns entschieden unser Buch des Monats April bereits einige Tage früher zu präsentieren. Also unser Buch des Monats ist das 2016 im Mandelbaum Verlag erschienene Buch „Meine 7 Väter“:

Ein Sohn, der selbst in die Jahre gekommen ist, begibt sich auf die Spurensuche nach seinem Vater und dessen sechs Brüdern. Ihr Schicksal zählt zu den großen Kapiteln der italienischen Resistenza, des Widerstands gegen den Faschismus und die Besatzung Italiens durch die deutsche Wehrmacht zwischen 1943 und 1945.
Mit ihrer Hinrichtung wurden diese Männer zu Symbolfiguren des Antifaschismus. Doch der Sohn, der seinen Vater nie bewusst kennengelernt hat, will die Geschichte abseits dieses Mythos erzählen und erweckt so das posthum errichtete Denkmal zu neuem Leben. Dabei gibt er einen sehr persönlichen Einblick in den Alltag, das Denken und Handeln dieser bäuerlichen Familie zwischen Kirche und Kommunismus.

Für die Lesung kommt Adelmo Cervi, der Sohn von Aldo Cervi, dem politischen Kopf der „Banda Cervi“ nach Rosenheim. Zum Zeitpunkt der Hinrichtung seines Vaters und dessen Brüder war er gerade einmal vier Monate alt. Heute lebt der 74 jährige als Pensionist in Reggio Emilia und widmet sich mit voller Kraft der Aufgabe, die Erinnerung an die Resistenza wachzuhalten. Die Veranstaltung welche von der infogruppe rosenheim in Kooperation mit der Bibliothek_A und dem Kurt-Eisner-Verein organisiert wird findet im „Z – linken Zentrum“ in der Innstraße 45a statt. Sie beginnt um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.

Adelmo Cervi
Meine 7 Väter
Als Partisan gegen Hitler und Mussolini aufgezeichnet von Giovanni Zucca, übersetzt von Gernot Trausmuth
422 Seiten
Format 12 × 17
englische Broschur
19.90 €
ISBN: 978385476-652-0
Erscheinungstermin März 2016

Im Z kann das Buch auch ab sofort durchgeblättert werden. Momentan findet ihr es auf dem „Buch des Monats“ Ständer, und dann zukünftig mit der Signatur „???“ in der Bibliothek_A.

Buch des Monats Januar – Der ethnische Dominanzanspruch des türkischen Nationalismus

- Eine diskursanalytische Studie zur Ideologie des türkischen Staates und der MHP -
Auch wenn in der Zwischenzeit in der Türkei der Putschversuch und die anschließende Machtzentrierung Erdogans stattfand, wollen wir euch diesen Monat ein ein Buch aus Zeiten vor dem Putsch vorstellen. Auch es behandelt nationalistische Strömungen in der Türkei.

Savas Tas erörtert in seinem Buch die nationalistische Ideologeme des türkischen Nationalismus in Bezug auf Hintergründe und historische Entwicklung. Mit Fokus auf den rassistischen Anteilen und Strukturen des türkischen Nationalismus, insbesondere der Kollektivsymbolik der türkischen Staatsideologie und der MHP, stellt er die historischen Fundamente, Ausformungen und Charakterzüge der beiden Hauptströmungen auf dem türkischen politischen Terrain dar und nimmt eine Rekonstruktion der unterschiedlichen Facetten wichtiger nationalistisch und rasssistisch argumentierender Position vor. Mit Hilfe einer Diskursanalyse von aktuellen Artikeln führender türkischer Zeitungen arbeitet er latente Sinngehalte der türkischen Staatsideologie und MHP heraus und setzt sie in ihren jeweiligen historisch-politischen Kontext, um abschließend die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Hauptströmungen darzustellen und sie anhand der Ergebnisse zu exemplifizieren.

Buch des Monats Dezember – Kritik der Religion und Esotherik

Nach fast einem Jahr Pause stellen wir euch mal wieder ein Buch aus dem Bestand der Bibliothek_A vor. Es ist Dezember, das Jahr fast zu Ende, alle im Stress und die Keksdosen voll. Weihnachten. Aber nicht nur das Christentum hat Konjunktur diese Tage. Daher stellen wir euch das Buch Kritik der Religion und Esotherik aus der Reihe theorie.org von Manuel Keller vor:
In der arabischen Welt ist theokratischer Islamismus auf dem Vormarsch, in den U.S.A. grassieren fundamentalistische evangelische Sekten, die Anläufe unternehmen, Darwins Evolutionstheorie durch biblische Offenbarungen zu ersetzen und in den ehemaligen Ostblockländern sind die christlichen Konfessionen auf dem Vormarsch. Angesichts dieser Entwicklungen liegt es nahe, die bisher verwendeten Argumentationsmuster der Religionskritik Revue passieren zu lassen und nachzufragen, ob sie für das 21. Jahrhundert unverändert taugen. Oder haben etwa doch diejenigen Recht, die behaupten, das religiöse Bewusstsein gehöre nun einmal zum Menschen und müsse daher weiterbestehen, solange es Menschen gibt?
Kellner verfolgt deshalb verschiedene Formen der Religionskritik von der Frühscholastik über die Aufklärung und Hegels Ansatz, den personifizierten Gott durch die Logik oder den Weltgeist zu ersetzen. Als Wendepunkt der Religionskritik macht er Feuerbach aus, der die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, für überholt erklärt und sich der Frage widmet, wie Gott in die Köpfe der Menschen kommt. Ein Ansatz, der fast unweigerlich zu Marx führt, der fordert, dass von der Kritik der Religion zur Kritik des Jammertals übergegangen werden müsse, auf dessen Boden Religion gedeihe, und zu Freud, für den religiöse Inhalte Projektionen des menschlichen Familienlebens sind. Schließlich bezieht Kellner wichtige Thesen moralisch motivierter Religionskritiker, wie Bucharin und Most, in seine Überlegungen ein.

Buch des Monats Oktober – Was tun gegen rechts

Besser spät als nie gibt stellen wir euch im Oktober nun endlich mal wieder ein Buch aus dem Bestand der Bibliothek_A vor.
Nach dem sich am kommenden Samstag (17.10.) schon zum 5. mal Neonazis öffentlich in Rosenheim versammeln wollen wir euch das das Buch „Was tun gegen rechts“ von Jens Mecklenburg (Hrg.) vorstellen.

„Wissenschaftler, Journalisten, Politiker sowie Mitarbeiter von Bildungseinrichtungen, antifaschistischen Organisationen und Initiativen untersuchen die Möglichkeiten und Konzepte, um gegen rechtsextreme Einstellungspotentiale und Gewaltbereitschaft vorzugehen.
Die unterschiedlichen Blickwinkel und praktischen Erfahrungen der Autoren bieten umfassende Denkanstöße. Die Beiträge reichen von der Vorstellung einzelner Initiativen, ihrer Ansatzpunkte, Erfolge und Mißerfolge bis zum Aufzeigen gesamtgesellschaftlicher Perspektiven.

Mit „Was tun gegen rechts“ versuchen die Autorinnen und Autoren, Antworten anzubieten. Patentlösungen kann es nicht geben. Zu komplex sind die Ursachen und Wirkungen von rechtsextremen und rassistischen Einstellungen und Handlungen. Eins ist aber klar: Die Verantwortung für die Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus liegt bei allen in der Gesellschaft.“