„Das muss man auch mal ganz klar benennen dürfen“

Derzeit sind alle Büchereien und Bibliotheken in Bayern geschlossen, auch die Biliothek_A. Nicht nur deshalb haben wir uns für unser Medium des Monats Februar für ein sowohl digital als auch als Printversion erhältliches Werk entschieden:
Die Broschüre „Das muss man auch mal ganz klar benennen dürfen“

RIAS

Das von RIAS Bayern herausgegebene 48-seitige Heft befasst sich mit „Verschwörungsdenken und Antisemitismus im Kontext von Corona“
In den ersten vier Kapiteln wird den Fragen nachgegangen :

• Was sind Verschwörungserzählungen?
• Was haben Verschwörungserzählungen mit Antisemitismus zu tun?
• Warum sind Verschwörungserzählungen attraktiv?
• Wie kann man auf Verschwörungserzählungen reagieren?

Ab Seite 18 findet sich unter dem Titel „Von Adrenochrom bis ZOG: Verschwörungserzählungen im Kontext der Coronapandemie in Bayern“ ein ausführliches Glossar zu gängigen Verschwörungserzählungen mit von RIAS Bayern dokumentierten Beispielen.

Die Broschüre könnt ihr hier kostenlos downloaden: https://report-antisemitism.de/documents/RIAS_Bayern_Monitoring_Verschwoerungsdenken_und_Antisemitismus_im_Kontext_von_Corona.pdf und natürlich nach der Wiedereröffnung auch in der Bibliothek_A ausleihen.

Im folgenden zitieren wir den Ankündigungstext von RIAS:


Wie manche Personen oder Familiennamen (z.B. Soros, Rothschild, Rockefeller) können auch Chiffren wie Bilderberger, Illuminati oder Freimaurer für „die Juden“ als Feindbild und Projektionsfläche stehen.
Tatsächlichen oder vermeintlichen Geheimgesellschaften wird dabei zugeschrieben, im Verborgenen die Geschicke der Welt zu lenken. Dies geschehe zum Schaden der Allgemeinheit und zum unlauteren, unanständigen Nutzen der vermeintlichen Verschwörer. Wie auch bei anderen Chiffren und im Antisemitismus allgemein ist Teil der Verschwörungserzählungen, dass diese Gesellschaften sehr alt seien und schon lange „die Fäden in der Hand“ hätten.
Einige dieser Chiffren knüpfen an reale Gegebenheiten an, beispielsweise gibt es ein jährliches Treffen von Adeligen, hochrangigen Politiker:innen und Wirtschaftsvertreter:inen (den „Bilderbergern“), das zum ersten Mal 1954 im niederländischen Hotel de Bilderberg stattgefunden hat. Die Geschicke der Welt werden dort allerdings nicht entschieden. Das Treffen dient als Projektionsfläche der Verschwörungserzählungen, von deren Wahrheits-gehalt man bereits überzeugt ist.
Die antimodernen und gegen die Aufklärung gerichteten Verschwörungserzählungen über „Illuminati“ beziehen sich auf den 1776 in Ingolstadt gegründeten fortschrittlichen Illuminatenorden (Illuminati, lat. „die Erleuchteten“). Die Illuminaten traten während ihres kurzen tatsächlichen Bestehens für die Werte der Aufklärung ein, für eine Abschaffung der absolutistischen Herrschaft – und dies nicht durch eine Revolution, sondern durch Unterwanderung, also einer Art früher „Marsch durch die Institutionen“.
Die Verschwörungserzählungen über „Illuminati“ haben auch in der Populärkultur seit langem Konjunktur. Von Literatur über Film und Gaming bis hin zu Musik (insbesondere HipHop) taucht die Fantasie einer Illuminati-Verschwörung auf. Hier schließt sich auch der Kreis zur „Hollywoodelite“ und deren angeblichen geheimen Zirkeln und Machenschaften (vgl. Adrenochrom-Erzählung: https://bit.ly/3tpRIEp).
Wie „die Bilderberger“ und „Illuminati“ ist auch „Freimaurer“ eine häufig auftauchende und potentiell antisemitische Chiffre für geheime Mächte, die angeblich die Welt beherrschen würden. Der Großteil der freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter der Aufklärung. Als fünf Grundpfeiler gelten die Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Die internationale Verbreitung der Freimaurerbünde und ihre hochgeschätzte Verschwiegenheit und Privatsphäre scheinen sich bestens für Verschwörungserzählungen zu eignen, obwohl Informationen über die Logen, ihre Satzungen, Sitze usw. öffentlich zugänglich sind.
Hier wird einmal mehr deutlich, dass das verschwörungsideologische Denken auch beim Anknüpfen an reale Gegebenheiten nicht mehr mit der Realität abgeglichen wird.
Die Denkstruktur von Verschwörungserzählungen funktioniert analog zu jener des Antisemitismus. Eine vermeintliche kleine, geheim agierende Elite, die für „das Volk“ Böses, für sich selbst aber Profit, Macht und Kontrolle wolle, steuere die Geschicke der Welt. Früher oder später tritt dann häufig zu dieser Struktur das historisch überlieferte „Wissen“ über die angebliche Macht der Juden hinzu, das sich seit dem Vorwurf des Gottesmordes durch die Geschichte zieht. Entweder sind also Verschwörungserzählungen ohnehin schon antisemitisch, oder sie sind aufgrund dieser strukturellen Gleichheit mit dem Antisemitismus sehr anschlussfähig für offenen Antisemitismus.“


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