Archiv für Juli 2014

Erich Mühsam

Vor 80 Jahren, am 10. Juli 1934, wurde der Schriftsteller, Publizist, Redner und Revolutionär Erich Mühsam im KZ Oranienburg von der SS-Wachmannschaft grausam ermordet. Erich Mühsam, geboren am 6. April 1878 in Berlin, lebte seit 1909 in München-Schwabing. Als zentrale Figur der Schwabinger Boheme war er befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger, Fanny zu Reventlow und vielen anderen. Mühsam war Mitarbeiter des Münchner Kabaretts und verschiedener satirischer Zeitschriften wie des Simplicissimus und der Jugend. Von 1911 bis 1919 gab Erich Mühsam in München die Zeitschrift Kain heraus. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Als Sonderheft seiner Zeitschrift Fanal erschien 1932 kurz vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten seine programmatische Schrift Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat, mit dem Untertitel Was ist kommunistischer Anarchismus? Versehen (vgl.hagalil).
Buch des Monats --> Erich Mühsam „Tagebücher
15Jahre lang, von 1910 bis 1924, hat Erich Mühsam, sein Leben in Tagebüchern festgehalten – ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber – und niemals langweilig. Was diese Tagebücher so fesselnd macht, ist der wache Blick des Weltveränderers. Mühsam wollte Anarchie praktisch ausprobieren. Anarchie hieß für ihn: Leben ohne moralische Scheuklappen, ohne Rücksicht auf Konventionen – und er bewies, dass es geht. Auch das Schreiben ist Aktion, in allen Sätzen schwingt die Erwartung des Umbruchs mit, den er tatsächlich mit herbeiführt: Die Münchner Räterevolution ist auch die seine, und die Rache der bayerischen Justiz trifft ihn hart.
Mühsams Tagebuch ist ein Jahrhundertwerk, das es noch zu entdecken gilt, es erscheint in 15 Bänden – und zugleich als Online-Edition. Die gewissenhaft edierten Textbände werden im Netz unter www.muehsam-tagebuecher.de begleitet von einem Anmerkungsapparat mit kommentiertem Namenregister, Sacherklärungen, ergänzenden Materialien, Suchfunktionen – so entsteht eine historisch kritische Ausgabe!
Im Verbrecher Verlag erschienen diese “Tagebücher” auch in Buchform. Unser Buch des Monats ist deshalb das „Tagebücher 1. 1910–191“

Au­to­r*in:Erich Mühsam
Titel: Tagebücher
Un­ter­ti­tel: Band1. 1. 1910–1911
ISBN 9783940426772
Sei­ten: 352 Seiten
Ver­lag: Verbrecher Verlag
Preis: 28,00 €