Buch des Monats Oktober: Antiziganistische Zustände

Im Oktober finden im Z zwei Veranstaltungen zum Thema Antiziganismus statt. Am 06. Oktober zeiget die infogruppe den Film „Newo Ziro – Neue Zeit“ und am 20. Oktober referiert Roswitha Scholz aus Nürnberg zum Thema „Der „Zigeuener“ in der Arbeitsgesellschaft“.
Aus diemem Grund haben wir die Bücher Antiziganistische Zustände 1&2 zu unseren Buch des Monats ausgewählt.

Alexandra Bartels, Markus End, Tobias von Borcke, Anna Friedrich (Hg.)
Antiziganistische Zustände 2
Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse
ISBN 978-3-89771-518-9
Erscheinungsdatum: Januar 2013
Seiten: 360
Ausstattung: softcover

In den letzten Jahren haben sich Medien, Wissenschaft und Politik vermehrt mit dem Thema Antiziganismus beschäftigt. Die Auseinandersetzung bleibt jedoch häufig oberflächlich und ist nicht selten durch stereotype Wahrnehmungen geprägt. Gerade Letzteres führt immer wieder dazu, dass die Verantwortung für die in vielen Fällen äußerst schwierige Lage der von Antiziganismus betroffenen Menschen bei diesen selbst gesucht wird, statt bei der Mehrheitsgesellschaft, von der Diskriminierung und Verfolgung ausgehen.
Demgegenüber greifen die in diesem Band versammelten Beiträge bisherige Debatten ausgehend von einer Kritik an der Mehrheitsgesellschaft auf und leisten dabei eine Verknüpfung von theoretischer Begriffsbildung, historischer Darstellung und empirischer Analyse. Die inhaltliche Breite der Beiträge soll dabei als Stärke verstanden werden, die Reflexionen des Antiziganismus aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht und Ansatzpunkte für Interventionen aufzeigt.

„Wie das Ressentiment gegen Menschen, die als ›Zigeuner‹ wahrgenommen werden, sich historisch wandelt und dennoch mit unveränderten Stereotypen immer neu entsteht, ist Thema des Bandes Antiziganistische Zustände 2, der unlängst im Unrast Verlag erschienen ist. Das Buch ist die Fortsetzung eines 2009 erschienenen Sammelbandes, der mittlerweile zu einem kleinen Standardwerk geworden ist. (…)
In jedem Fall kommt das Buch zur richtigen Zeit: Die Aufklärung über Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus bildet die Grundlage für die Bekämpfung des neuen, alten Hasses.“
Hanning Voigts, fr-online vom 27.02.2013

Markus End, Kathrin Herold, Yvonne Robel (Hg.)
Antiziganistische Zustände
Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments
ISBN 978-3-89771-489-2
Erscheinungsdatum: Mai 2009
Seiten: 284
Ausstattung: softcover

Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt.

Gleichzeitig mangelt es an politischen und theoretischen Analysen. Das gilt auch für eine linke Kritik, die oft nicht über moralische Empörung hinaus geht. Dieser Sammelband soll zu einer breiteren und differenzierteren Diskussion und Kritik des Antiziganismus beitragen. Neben unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Ansätzen werden internationale Fallstudien zu Italien, Kosovo und Rumänien ebenso bearbeitet wie der Bereich medialer Repräsentationen und die Verwerfungen im bundesdeutschen Gedenken an den nationalsozialistischen Massenmord. Eine Kritik der Mehrheitsgesellschaft tritt hierbei an die Stelle eines nicht selten antiziganistischen Schreibens über Roma.
 
„Die verschiedenen Aufsätze machen sehr deutlich, wie stark die antiziganistischen Zuschreibungen und Stereotype auf Projektionen und Zuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft an die Minderheit beruhen.“
Empfehlung Fachbuch, lernen-aus-der-geschichte.de

„Der Band leistet einen wichtigen Beitrag in der Auseinandersetzung mit der kaum reflektierten Diskriminierung von Sinti und Roma.“
Jan Schapira in HUch! #61/Themen-Schwerpunkt Antiziganismus

„Ce livre qui relève les carences des partis de gauche à ce sujet et dresse le bilan des méfaits est fort bien enrichi d’études historiques, ethnologiques, sociologiques. Avec beaucoup de place aux polémiques actuelles.“
Lionel Richard in Le Monde Diplomatique, Octobre 2009

„Äußerst empfehlenswert ist der Beitrag von Dirk Auer über die Roma im Kosovo. Die systematische Vertreibung der Roma des Kosovo durch die Mehrheitsbevölkerung und die völlige Zerstörung der Roma-Mahallas, die Quasi-Inhaftierung der Roma im bleiverseuchten Flüchtlingslager nördlich von Mitrovica, dies alles unter Duldung der KFOR nach Ende des bewaffneten Konflikts, sind kaum ins Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit gedrungen. Bis heute ist die Haltung der Internationalen Gemeinschaft inklusive der Europäischen Union zu dieser Katastrophe von mangelnder Wahrnehmung und vollkommenem Versagen geprägt.
Der Beitrag von Auer zeigt wesentlich deutlicher und eindrücklicher als jegliche diskurstheoretische Abhandlung, wie allgegenwärtig und fundamental in Europa die Feindseligkeit gegen Roma und das Desinteresse an ihrem Schicksal tatsächlich ist.“
Peziza Cech in: Romano Centro Heft Nr. 67, Mai 2010